In 10 Schritten gute Produktfotos selber machen

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Viele Kunden von mir möchten Ihre Produkte lieber selber fotografieren. Das ist Okay. Auch weil richtig professionelle Produktfotos gerne sehr sehr teuer sein können. Nun willst Du auch deine Produkte selber fotografieren. Das ist auch Okay. Ich will mit Dir in 10 Schritten Deine Produktfotos besser machen. Zum Start geht es um Dein Werkzeug, dann zum Foto selber und zum Schluss, was nach dem Produktfoto kommt. Wie kann man also fehlerfrei Produktfotos selber machen?

#1 Deine Kamera – Dein Werkzeug für gute Produktfotos

Sofern Du noch nicht oft Produktfotos gemacht hast und auch sonst nur Urlaubsfotos machst, solltest Du jetzt deine Kamera nehmen und sie studieren. Was kann deine Kamera überhaupt? Welche Funktionen hat sie? Mit testen und probieren lernst Du schnell wozu Dein Werkzeug fähig ist. Noch besser ist es, wenn du die Anleitung liest. Generell bietet sich an für Produktfotos eine Digitalspiegelreflex-Kamera (DSLR) zu nutzen. Sonst gehen aber auch schon gute Kompaktkameras.

Blendwert (AV): Viele Kameras erlauben Dir diesen Wert manuell zu verändern. Meist steht vor dem Wert ein kleines f und es gibt den Bruchteil der Zeit an, in der das Licht eingefangen wird. Hier gilt, dass ein hoher Wert(zB. f11) viel Tiefenschärfe bewirkt und ein kleiner Wert(f4) dagegen eine seichte Tiefenschärfe erzeugt. Da Du bei Produktfotos sehr viel Wert auf Details legen solltest, nimmst Du einen Wert ab f10. Aber das kann je nach Abstand und Produkt auch variieren.

Bildausgabe: Kümmere Dich darum, dass deine Fotos im RAW Format gespeichert werden. Dieses „rohe“ Format lässt sich am PC sehr gut bearbeiten und später zu JPG konvertieren. Sofern Du aber jetzt schon weißt, dass Du danach keine Bildbearbeitung machst und auch dafür kein Geld ausgeben willst (Profi beauftragen) dann lasse Sie direkt als JPG von Deiner Kamera speichern.

Weißabgleich (WB): Besonders für Textilien ist eine gute Wiedergabe der Farben sehr wichtig. Mit dem Weißabgleich kannst Du genau diesen Punkt verbessern. Es gibt dafür zwei Möglichkeiten: Zum einen die automatische Einstellung, welche sich ggf. noch unterteilt in drinnen und draußen. Da Du Deine Fotos nicht draußen machen solltest und auch viel Zeit dafür haben solltest, empfiehlt es sich den Weißabgleich manuell zu machen. Dazu baust Du Dein Set auf: Hintergrund, Beleuchtung etc. Dann stellst Du Deine Kamera auf manuellen Weißabgleich um und nimmst dir ein Stück Karton(weiß – natürlich) oder Druckerpapier und positionierst es dort, wo dann das Produkt sein wird und gleichst das Weiß ab. Wie genau das bei Deiner Kamera geht weiß natürlich die Anleitung oder das Internet („manueller Weißabgleich DEINE KAMERA“).

Belichtungswert (EV): Sofern Dein Produkt dunkel ist und der Hintergrund hell (sollte er sein, sonst musst Du ggf. in der Nachbearbeitung dein Produkt freistellen) tendieren Bilder zur Verdunkelung. Auch diese Einstellung ist bei jeder Kamera unterschiedlich. Anleitung raus suchen und ggf. nach Belichtungskompensation(seigenschaften) suchen.

#2 Der Tripod/Stativ als Unterstützung der Kamera

Nimm mal Deine Kamera und schau Dir den Boden der Kamera an. Dort findest du ein Gewinde. In dieses Gewinde wird für jedes Foto ab sofort ein Stativ oder ein Tripod kommen. Diese Helfer sind pures Gold wert:

  • Deine Fotos verwackeln nicht
  • Deine Fotos sind immer im gleichen Winkel aufgenommen
  • Deine Fotos können mit einer langen Belichtungszeit aufgenommen werden
  • Deine Fotos können somit mit einer hohen Tiefenschärfe erstellt werden
  • Deine Fotos benötigen nicht zwingend einen Blitz

Das Stativ ist wichtig, wenn Du große Produkte hast. Hast Du eher Fotos, die auf einen Tisch passen, dann kannst Du den Tripod nutzen und ihn ggf. noch auf ein paar Bücher stellen.

#3 Der Hintergrund, Dein Set – gute Produktfotos benötigen Vorbereitung

Kommen wir langsam dem Foto näher. Wenn Du Dir Dein Set aufbaust, solltest Du besonderes Augenmerk auf den Hintergrund legen. Er muss sich klar vom Produkt differenzieren. Dazu bietet es sich an eine graue oder weiße A2 Pappe oder einen Karton zu nehmen. Teppiche sind Tabu, Tische ohne Unterlage sind Tabu, Fotos auf der Straße auch. Das kannst Du alles machen, wenn Du dein Produkt bei der Anwendung zeigen willst. Aber das gehört zum Start nicht dazu.

Die zweite Möglichkeit ist das Bild auszuschneiden. Das kann man mit Photoshop gut machen, aber auch mit der kostenlosen Alternative Gimp. Das erfordert viel Geschick und Feingefühl. Deswegen findet man im Internet auch Anbieter die für rund 1€/Foto das Ganze übernehmen. Willst Du die Produktfotos für Amazon nutzen, dann ist dieser Euro sehr gut investiert. Amazon legt extrem hohen Wert auf gute Produktfotos.

#4 Reflektionen innerhalb des Sets

Egal ob Urlaubsfotos oder Produktfotos – Reflektionen heißen Stress. Einfachste Lösung wäre ein Lichtzelt. Aber jetzt wieder Geld ausgeben ist ja nicht unbedingt die beste Lösung. Lieber machst Du mittels zweier Papiere (dunkel & hell) den Test, woher die Reflektion kommt. Dazu schaust Du durch den Sucher und bewegst die beiden Papiere entlang des Produktes. Irgendwann wirst Du sehen, wo der Übeltäter sitzt. Meist hat man Reflektionen, weil man direktes Licht hat oder irgendwo die Sonne durch ein Fenster auf das Produkt scheint. Bei Schmuck und ähnlichen Artikeln ist dieser Effekt natürlich sehr viel stärker.

#5 Blitz oder kein Blitz?

Kurz und knapp: kein Blitz. Warum? Zum einen sind die Blitze aus einer Kompaktkamera nur für Urlaubsfotos gedacht – und selbst dann meist unnötig. Den Blitz, den man dann auf seine Kamera setzt (zb. bei einer DSLR) erzeugt sehr harte Schatten. Das ist aber nicht bei Produktfotos gewünscht. Es hilft nur, dass man sich eine professionelle Ausrüstung kauft. Diese kostet aber viel Geld und eine bessere Qualität der Fotos ist damit auch noch nicht gegeben. Lieber das Licht am Tag nutzen. Perfekt ist ein bewölkter Tag, weil es hell ist aber nicht blendet. Ein Vorhang vor das Fenster kann aber auch an einem sonnigen Tag helfen. Stichwort „ununterbrochene Beleuchtung“. Möchtest Du lieber mit eigenen Lichtquellen arbeiten, dann solltest Du Dir mindestens zwei – besser drei Lichtquellen kaufen. Diese kann man dann direkt um das Produkt stellen und so jeden Schatten vermeiden.

#6 Beleuchtungsdämpfer

Wie eben schon erwähnt: gleichmäßige Lichtstreuung ist essentiell. Anstatt jetzt aber wieder neue Sachen zu kaufen gehen auch leichte Stoffe, die über das Licht hängen. Ziel ist es einfach die Beleuchtung nicht so stark auf das Produkt zu scheinen lassen.

#7 Noch mehr Licht: einheitlicher Beleuchtungstyp

Wenn Du nun also kurz vor dem Start bist und mehr als nur ein paar Produktfotos machen willst, dann solltest du dein Set beibehalten. Speziell wenn Du Dich für eine Lichtquelle entscheidest: behalte diese bei. Verschiedene Lichtquellen lassen verschiedene Schattentypen auf deinem Foto erscheinen. So kommt es, dass Du einen Schatten mit Blauton hast, wenn Du an einem sonnigen Tag fotografierst. Einen gelblichen Schatten hast Du bei einer Beleuchtung ohne Tageslicht und nur zu Hause. Die Natur und die Kamera können dies noch ausgleichen. Auch kann man durch die Freistellung der Fotos viel beeinflussen. Aber das hilft alles nichts, wenn Du an einem Tag fotografierst, während die Sonne scheint und an einem anderen Tag die eigene Leuchtquelle benutzt. Das sieht man dann auf dem Foto.

#8 Nutze den Zoom!

Besonders für kleine Fotos oder Details solltest Du ruhig den Zoom nutzen. Bei einer DSLR kannst Du die Einstellung 50+ mm nutzen. Sofern Du ein Zoom-Objektiv hast kannst du auch eine höhere Einstellung nutzen. Ein guter Wert ist 70-80mm, wenn Du eine gute Linse hast. Besitzt Du nur eine Kompaktkamera musst Du natürlich überlegen wie viel Zoom gut ist. Ein digitaler Zoom beginnt irgendwann unscharf zu werden. Das darf allerdings nicht auf dem Produktfoto sein. Dann gehe lieber näher mit der Kamera an das Produkt und verzichte auf den Zoom.

#9 Mache Dir ein Bild vom Ergebnis

Bevor Du nun startest mache Dir ein Bild vom Ergebnis. Das heißt konkret, dass Du Dir anschaust wie gute Produktfotos aussehen. Dazu gehören Detailaufnahmen, Produktaufnahmen ohne Szene und Produktaufnahmen mit Szene. Das heißt: das Produkt in der Anwendung und ohne Anwendung. Für Modeartikel ist dies sehr wichtig, dass der Kunde sieht, wie die Stoffe fallen. Auch regt das so zum Kaufen kann, wenn man das Produkt in Aktion sieht. Die Vorstellung wird angeregt, wie es wohl beim Kunden aussehen würde. Eine gute Recherche erleichtert Dir viel Arbeit. Dazu kannst Du bei der Konkurrenz gucken. Große Konzerne stecken viel Geld in die Produktfotos und deswegen ist das Abgucken bei diesen Fotos eine hohe Arbeitsersparnis. Große Onlineshops bieten sich an (Für Mode zb. Zalando) oder Amazon, weil Amazon sehr hohe Richtlinien für die Produktfotos hat. Speicher alle Fotos in einem Ordner ab und notiere dann, was gut aussieht und was Dir gefällt. Auf diese Dinge legst Du dann bei der Fotografie Wert.

#10 Endlich sind die Fotos gemacht. Nun kommt die Bearbeitung.

Geschafft! Herzlichen Glückwunsch! Nun kommt die gleiche Zeit in die Bearbeitung. Hier kannst Du eine Menge rausholen. Sicherlich hast Du schon mal ein Foto gesehen, bei dem ein Filter genutzt wurde und dadurch eine besondere Stimmung erzielt wurde. Das kann man mit einer Bearbeitung schaffen. Aus durchschnittlichen Produktfotos kannst Du sehr gute Produktfotos machen. Allerdings wäre dies ein bzw. mehrere Beiträge wert. Da für eine gute Bearbeitung auch gute Software nötig ist (Paint reicht nicht aus, eine Alternative zu Photoshop ist das Tool Gimp), würde ich diese Aufgabe einfach an einen Profi abgeben. Du lässt erst ein Probebild erstellen und nach dem Vorbild kann dann im 50er /100er Paket die Bearbeitung erfolgen. Auch gibt es Online-Dienste, die ca. 1€ pro Bild kosten.

Wer sich für das Thema Produktbeschreibungen interessiert bzw. Produkttexte, der findet hier einen Artikel.

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